Mit dem Gotteslob beten: Zuhause und in Familie

Hausgebete und Inspirationen für das Glaubensleben

Magdeburg. Diakon Wolfgang Gerlich ist in der Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts tätig und hält das Buch gerade im Blick auf die Vereinzelung der Christen hierzulande für sehr hilfreich für das tägliche Leben aus dem Glauben.

Herr Diakon, der erste Teil des Gotteslobes will Impulse für das tägliche Leben als Christ bieten. Hält das Buch, was es verspricht?

Portraitfoto Wolfgang Gerlich
Wolfgang Gerlich
Ich denke, ja. Das geht damit los, dass das Gotteslob Hinweise gibt, wie man persönlich und in Gruppen mit der Heiligen Schrift umgehen kann. Es wird erläutert, wie man ein Kreuzzeichen macht – was ja eine Menge darüber sagt, wie wenig heute bei den Menschen vorausgesetzt werden kann. Oder es wird sehr griffig, fast rührend dargestellt, was ein Rosenkranz ist und wie man ihn betet. Oder wie man sich verhalten kann, wenn man in eine Kirche kommt. Auch die zusammengestellten Gebete können eine Hilfe für den persönlichen Glauben sein. Neben bekannten Texten auch aus früheren Jahrhunderten finden sich Gebete unserer Tage, die in einer guten einfachen Sprache Dinge vor Gott bringen und dazu einladen, es genauso oder abgewandelt selbst zu tun.

Im Alltag nehmen sich doch aber nur wenige Menschen Zeit, in ein Gebetbuch zu schauen …

Eine Mutter wird wohl kaum das Gotteslob zur Hand nehmen, um ihr Kind vor dem Weg zur Schule zu segnen. Wenn es ihr wichtig ist, wird sie es einfach tun. Aber abends mal in dem neuen Familien-Gebets- und Gesangbuch zu lesen und sich dabei zu sagen: Stimmt, so könnte ich auch mal mit meinen Kindern, mit meinem Partner, mit meinem kranken Vater beten – das könnte ich mir schon vorstellen, dass dies mit dem neuen Buch passieren kann. Ganz unserer Situation entsprechend empfinde ich die ausdrückliche Einladung zum Hausgebet im neuen Gotteslob.

Und dafür mal zu dem neuen Buch zu greifen, wird für jeden, der hierzulande Christ sein und bleiben will, immer wichtiger werden. Glaube muss in überschaubaren Gemeinschaften und Räumen gelebt werden. Und auch die Texte unter der Überschrift »Den Glauben leben« halte ich für hilfreich. Hier geht es um das Hauptgebot der Liebe, die Seligpreisungen, die Werke der Barmherzigkeit, die sieben Gaben des Heiligen Geistes, die Zehn Gebote. Kurz und gut, ich finde das neue Gotteslob sehr praxisorientiert. Es ist viel mehr als nur ein dickes Liedheft.

Werden Familien, Paare und Gruppen in der Lage sein, die Einladung des Gotteslobes zum Hausgebet wirklich aufzunehmen?

Ich halte es für ein großes Plus, dass das Buch dazu einlädt, dem Glauben im häuslichen Bereich Raum zu geben. Wie wichtig das ist, zeigt zum Beispiel ein Blick in die Geschichte der Juden, wie sie bis heute ihren Glauben praktizieren. Glauben ist eben nicht nur, einmal in der Woche eine Messe zu besuchen. Sondern das Bemühen, Gott in mein konkretes Leben hineinzuholen. Die Vorschläge im Gotteslob sind als Modelle für unterschiedliche Anlässe verwendbar. Ich hätte mir allerdings auch vorstellen können, dass neben den Feiern für die Advents- und Weihnachtszeit etwa ein Vorschlag zum Erntedank aufgenommen worden wäre.

So mancher hat einen Garten oder versucht bewusst ökologisch zu leben … Erntedank kann man gut auch zu Hause oder in der Gartensparte feiern. Oder Gott für eine gelungene Reise danken oder am Geburtstag oder Hochzeitstag … . Was ich zudem für ganz wichtig halte, ist das Hausgebet für Verstorbene. Da sind Christen heute oft sehr hilflos.

Doch es ist gar nicht so schwer, sich das Gotteslob zu nehmen und das dort vorgeschlagene Hausgebet zu halten. Ein sprachliches und formales Geländer, dass ein solcher kleiner Gottesdienst bietet, kann am Totenbett wichtige Hilfe sein, zur Ruhe zu kommen, vielleicht Dankbarkeit zu empfinden und sogar mit der Trauer zu beginnen. Da muss nicht der Pfarrer zur Stelle sein, das ist in der Familie, im Kreis der Freunde möglich und machbar.

Für viele ist es doch ungewohnt, ein Hausgebet zu halten oder gar Vorschläge im Gotteslob auf die eigene Situation anzupassen …

Das stimmt. Aber es ist eigentlich nicht schwer. Die Hausgebete haben eine Grundstruktur, die leicht zu verstehen ist: Sich einfinden und sammeln (zum Beispiel mit einem Lied), mit Gott im Gebet (Kyrieruf, Gebet) in Verbindung treten, einen Text in der Bibel lesen und so auf Gott hören, sein Wort deuten mit Dank, Glaubensbekenntnis, Meditation, Fürbitte, Vaterunser, Segen und von ihm gesendet wieder in den Alltag gehen. Hier sind alle, die sich ein bisschen mehr damit auskennen, also zum Beispiel auch Gottesdienstbeauftragte gefordert, Hilfe zu geben. So könnte es in einem Familienkreis oder in einer Frauengruppe oder sogar unter Jugendlichen Thema sein, wie man ein Hausgebet gestalten kann …

Interview: Eckhard Pohl

Quelle:

  •  Sonderbeilage »Lebendig mitfeiern. Das neue Gotteslob ist da«, S. 9, in: Tag des Herrn, Nr. 37 vom 15. September 2013.