Ursprünge und Entwicklung des Gesangbuchs

Frühere Versionen des Gotteslob

Die Vorgänger des Gotteslob

Bereits seit dem Mittelalter gibt es Liturgische Bücher, die in den Klöster mittels Handarbeit hergestellt und anschließend reich verziert wurden. Diese waren für den Chor bzw. die Choralschola bestimmt und beinhalteten lateinische Gesänge des Gregorianischen Chorals. Neben diesen Büchern gab es auch zahlreiche Brevierausgaben für Könige, Fürsten und andere hochgestellte Persönlichkeiten des adligen oder geistlichen Standes, welche zumeist prunkvoll verziert waren.

Altes Gotteslob
alte Ausgabe des Gotteslob
Im Zuge der Erfindung des Buchdrucks änderte sich die Situation grundlegend, da Gebet- und Gesangbücher nun preislich günstig wurden und auch von Gemeinden und einfachen Menschen erworben werden konnten.

Entscheidend für die Entwicklung von Gesang- und Gebetbüchern im deutschen Sprachraum war zudem die Zeit der Reformation und die damit einsetzende Besinnung auf die deutsche Sprache, ausgelöst durch Martin Luthers Bibelübersetzung. Als Reaktion auf die reformatorische Entwicklung ließ der Hallenser Propst Michael Vehe im Jahr 1537 erstmals auch ein katholisches Gesangbuch drucken.

Einige Jahre später knüpfte hieran 1567 der Bautzener Stiftsdekan Johann Leisentrit mit dem Druck eines weiteren volkssprachlichen Gesangbuches an, welches eine weite Verbreitung fand und etlichen späteren Gesangbüchern als Quelle und Vorbild diente. Auf diese Weise wurden deutsche Kirchenlieder als Begleitung des Gottesdienstes schnell Brauch.

Unterstützt wurde diese Entwicklung in der Zeit der Gegenreformation besonders durch die Jesuiten, die zur Förderung der Glaubensunterweisung viele Gesangbücher herausgaben. Hervorzuheben ist an dieser Stelle vor allem Friedrich Spee von Langenfeld (1591-1635), dessen gedichtete Kirchenlieder (bspw. »O Heiland, reiß die Himmel auf«, »Zu Bethlehem geboren«) sich bis heute im Gotteslob finden.

Weitere Entwicklung

Ab dem 17. Jahrhunderts gab es dann erstmals Liederbücher, die von den Bischöfen für ihre jeweilige Diözese autorisiert waren und ab Mitte des 18. Jahrhunderts setzten sich deutsche Lieder als Begleitung zur lateinischen Messe immer stärker durch. Als direkte Vorläufer des Gotteslob gelten im weiteren Verlauf der Geschichte schließlich die Eigengebetbücher der deutschen Diözesen (Bistümer), die während des 19. Jahrhunderts entstanden und bis 1975 als Gebet- und Gesangbücher in den Gemeinden genutzt wurden.

Vorläufer bzw. Vorgänger des Gotteslob

Folgende Bücher sind in der Geschichte des Gotteslob als Vorgänger anzusehen:

  • Ave Maria (Bistum Würzburg)
  • Betende Gemeinde (Erzdiözese Wien)
  • Canta Bona (Bistum Hildesheim)
  • Gebet- und Gesangbuch für das Erzbistum Köln
    (Erzbistum Köln)
  • Gelobt sei Jesus Christus. Gebet- und Gesangbuch für das Bistum Mainz (Bistum Mainz)
  • Gottesdienst (Erzbistum München und Freising)
  • Gotteslob (Bistum Osnabrück)
  • Laudate (Bistum Münster, Bistum Augsburg und
    Bistum Dresden-Meißen)
  • Lob Gottes (Bistum Passau)
  • Lobt den Herrn! (Erzbistum Bamberg)
  • Magnificat (Erzbistum Freiburg und Bistum
    Regensburg)
  • Oremus (Bistum Aachen)
  • Salve Regina (Bistum Speyer)
  • Sursum Corda (Erzbistum Paderborn mit dem
    Erzbischöflichen Amt Magdeburg)
  • Unser Gotteslob (Diözese Brixen und deutschsprachiger Teil der Erzdiözese Trient)
  • Vater unser (Diözese Linz)

Entstehung des Gotteslob

Als erstes überdiözesanes geistliches Liederbuch lässt sich das 1937 herausgegebene »Kirchenlied« anführen. Jenes war zunächst als Jugendbuch gedacht, setzte es sich aber bald darauf in allen Altersgruppen durch. Und so nahm die Geschichte ihren Lauf. Im Jahr 1965 trat dann eine Arbeitsgruppe zur Erstellung eines überdiözesanen Gebet- und Gesangbuches, zusammen, welche die heutige Form des Gotteslob erarbeitete. Ein solches einheitliches Gebet- und Gesangbuch entstand aus dem Wunsch, aufgrund steigender Mobilität und infolge der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils den Gläubigen in jeder deutschsprachigen Region die aktive Gottesdienstteilnahme zu möglich zu machen. Außerdem wurde eine Teilharmonisierung mit den Liedern der evangelischen Kirchen angestrebt, um auf diese Weise die Gestaltung ökumenischer Gottesdienste zu erleichtern sowie zu bereichern.

DDR-Ausgabe des Gotteslob
DDR-Ausgabe
So wurde das Gotteslob als gemeinsames Gebet- und Gesangbuch der deutschsprachigen Bistümer in Deutschland, Österreich, Italien (Südtirol), Belgien (Lüttich) und Luxemburg erstmals im Jahr 1975 veröffentlicht. Es beinhaltet Texte und Lieder für die katholische Liturgie sowie eine große Anzahl an Gebeten aus der lange währenden christlichen Tradition. Die aktuelle Fassung des Gotteslob stammt aus dem Jahr 1996. Die Herausgeber des Gotteslob sind die Bischöfe Deutschlands, Österreichs und den Bistümern und Lüttich.

Die Rechte des gemeinsamen Stammteiles hat das Katholische Bibelwerk Stuttgart inne. Neben dem gemeinsamen Stammteil enthalten alle Gotteslob-Ausgaben so genannte frei gewählte Diözesananhänge mit sowohl regionalen, als auch im gesamten Sprachraum beliebten Liedern, Texten, Andachten und Gebeten.

38 Jahre später wurde zum 1. Advent des Jahres 2013 (nach zehnjähriger Planung) eine überarbeitete und der aktuellen Zeit angepasste neue Fassung des Gotteslob in den katholischen Gemeinden Deutschlands, Österreichs und Südtirols (Italien) eingeführt.

Quellen: