Praxistest des neuen Gotteslob

186 Gemeinden haben das neue Gotteslob getestet

Von Matthias Holluba

Das neue Gotteslob ist nicht am grünen Tisch entstanden. Gemeinden, Familien, Kirchenmusiker und Seelsorger aus ganz Deutschland haben es in der Entstehungszeit getestet und Änderungsvorschläge gemacht.

Ständer mit Gotteslob
Gotteslob auf Ständer
»Es gab von Anfang an sehr viele positive Reaktionen auf das neue Gotteslob«, erinnert sich Sebastian Braun. Er ist Gemeindereferent in der Pfarrei St. Josef in Erfurt-Nord. Und diese Gemeinde war eine von sechs im Bistum Erfurt, die sich vom ersten Advent 2007 bis Pfingsten 2008 an der offiziellen Erprobung des neuen Gotteslobes beteiligten. »Kritik gab es vor allem in zwei Punkten«, sagt Sebastian Braun: an den vielen Liedern mit fremdsprachigen Texten und am vorgesehenen mehrstimmigen Gemeindegesang, der für viele, vor allem kleinere Gemeinden eine Überforderung darstellt.

Die Erfurter lagen mit ihrer Einschätzung gar nicht so falsch. Die beiden Punkte stießen auch deutschlandweit auf kritische Reaktionen mit der Folge, dass fremdsprachige Texte und mehrstimmige Gesänge auf ein Minimum reduziert wurden, sagt Winfried Vogel. Er ist Diakon und Referent des Vorsitzenden der Unterkommission Gotteslob der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Friedhelm Hofmann (Würzburg). Schon diese zwei Punkte zeigen: Die Erprobungsphase war nicht nur ein »politisches Symbol«, sondern für die Fertigstellung des neuen Gotteslobes »sehr, sehr wertvoll«, wie Vogel sagt.

Pro Bistum drei bis sechs Testgemeinden

Erfahren haben die Erfurter von dieser Möglichkeit der Mitgestaltung des neuen Gotteslobes durch eine Information des Bistums. »Wir haben uns dann darauf gemeldet, weil uns interessiert, was mit dem neuen Gotteslob auf uns zukommt. Und weil wir eine sangesfreudige Gemeinde sind, die gerne einmal etwas Neues ausprobiert«, berichtet Sebastian Braun. Im ganzes Bistum Erfurt haben sechs Gemeinden an der Gotteslob-Erprobung teilgenommen.

Die Zahl der Interessenten war übrigens doppelt so groß. Aber die Gotteslob-Diözesanbeauftragten konnten für ihr jeweiliges Bistum nur drei bis sechs Gemeinden benennen. Insgesamt waren es dann 186. Bei der Bestimmung der Erprobungsgemeinden wurde die Größe der Gemeinden berücksichtigt, vor allem die Anzahl der Seelsorger und Kirchenmusiker. Auch der Unterschied zwischen Stadt und Land wurde berücksichtigt sowie die Besonderheiten in der Diaspora.

Familien testeten Gotteslob als Hausgebetbuch

»Wir haben dann während der Testphase unsere Gottesdienste ganz oder teilweise mit Gotteslob-Probedruck gestaltet. Und wir haben darüber hinaus Vorschläge ausprobiert, die das neue Gotteslob macht – zum Beispiel für das Stundengebet, die Jahresschlussandacht oder das Ewige Gebet«, erzählt Sebastian Braun. Anschließend mussten die Gottesdienst-Teilnehmer dann einen Fragebogen ausfüllen. Doch nicht nur die Gottesdienstgemeinde war gefragt.

»Die Erprobung richtete sich an verschiedene Adressaten«, erklärt Winfried Vogel. In den Probegemeinden wurden jeweils etwa zehn Familien gebeten, die Vorschläge für häusliche Gebete, die im neuen Gotteslob enthalten sind, auszuprobieren – vom Familiengebet für Verstorbene bis zur häuslichen Feier am Heiligen Abend. Etwa 30 Gemeindemitglieder wurden ausgewählt, die Gebete, die Bibelschule und die katechetischen Texte des Gotteslobes durchzusehen, ob sie verständlich und lebensnah sind.

Die Seelsorge-Mitarbeiter der Gemeinden sollten diese Texte aus ihrer Erfahrung auf Brauchbarkeit in der Seelsorge-Praxis überprüfen. Und die Kirchenmusiker wurden nach ihrer Einschätzung der ausgewählten Lieder und Gesänge befragt: Stimmen die Tonhöhen? Werden die ausgewählten Lieder Akzeptanz finden? An alle Beteiligten ging dabei auch immer wieder die Frage nach dem Layout des neuen Gotteslobes, das heißt, ob Schrift und grafische Gestaltung der Lesbarkeit dienlich sind.

Mehrere tausend Reaktionen kamen auf diese Weise zusammen. Deren schnelle Auswertung war nur mithilfe des Internets möglich. Schon wenige Wochen nach Ende der Erprobungsphase hatten die zuständigen Arbeitsgruppen die Ergebnisse. Und mitunter hieß das dann noch einmal etwas neu zu erarbeiten. Winfried Vogel: »Das vorgesehene Gebetsregister beispielsweise ist bei den Seelsorge-Mitarbeitern durchgefallen.« Vorgesehen war ein alphabetisches Register, aber die Menschen suchen Gebete ja nicht nach ihrem Anfangsbuchstaben, sondern nach Themen, die für sie gerade wichtig sind wie Trauer, Freude oder Einsamkeit.

Neugierig und gespannt auf‘s neue Gotteslob

In der Erfurter St. Josefs-Gemeinde erhielt das neue Gotteslob als Buch für den Gebrauch im christlichen Haushalt gute Noten. »Die Gebete wurden sehr positiv aufgenommen. Mit den katechetischen Texten haben sich die älteren Gemeindemitglieder leichter getan als jüngere, für die das ungewohnt war. Auch für das Layout gab es gute Noten. Dort, wo graue Schrift statt schwarzer verwendet wurde, war die Lesbarkeit nicht so gut«, fasst Sebastian Braun einige Ergebnisse aus seiner Gemeinde zusammen.

Welche Kritiken und Änderungsvorschläge jetzt genau in das endgültige Gotteslob eingeflossen sind, wissen die Erfurter Tester noch nicht und werden es auch erst entdecken können, wenn sie in den nächsten Wochen ein gedrucktes Exemplar in der Hand halten. Eine Rückmeldung seitens der Gotteslob-Kommission hatte es nicht gegeben. »Unsere Gemeinde – so ist mein Eindruck – freut sich jedenfalls auf das neue Gotteslob. Wir sind neugierig und gespannt«, sagt Gemeindereferent Braun. Und den Gemeinden, die das Gotteslob noch nicht kennen, auch den kleinen Gemeinden in der Diaspora macht er Mut, sich mit dem neuen Buch anzufreunden und es sich Stück für Stück anzueignen.

Quelle:

  • Sonderbeilage »Lebendig mitfeiern. Das neue Gotteslob ist da«, S. 7, in: Tag des Herrn, Nr. 37 vom 15. September 2013.