»Hágios ho Theós«

Das Lieblingslied von Maria Hasenleder, Dekanatskirchenmusikerin im Erzbistum Berlin Nord

Hágios ho Theós (Neues Gotteslob Nr. 300): Sicher kennen Sie das: Sie hören ein Lied und verbinden damit sofort eine Erinnerung, die Spuren in Ihrem Leben hinterlassen hat. Oder umgekehrt: Sie hören ein Lied und Text und Melodie passen genau zu dem, was Sie gerade bewegt und Sie werden auf ungeahnte Weise berührt.

Maria Hasenleder
Maria Hasenleder
Als ich nach meinem Lieblingslied aus dem neuen Gotteslob befragt wurde, habe ich festgestellt, dass es schwer ist, sich auf eins festzulegen, da die Antwort oft situationsabhängig ausfällt.

Beim Durchblättern haben jedoch zwei Lieder sofort alte Erinnerungen und Bilder hervorgerufen. Da war die Chorfahrt mit einem Halt in Assisi, auf der ich zum 1. Mal von der Kraft des Trishagion (GL. 300) berührt wurde, an einem Ort, an dem es nach meinem Empfinden nicht besser hätte passen können. Wie oft und mit welcher Intensität werden vielleicht der hl. Franziskus und die hl. Klara hier ihr »Erbarme dich unser« gesungen haben.

Und dann war da die Kreuzwegandacht in unserer Gemeinde, kurz nach dem Tod eines lieben Menschen. Jede Kreuzwegstation wurde mit dem Trishagion – dem »dreimal heilig« beendet. Wie berührte dieser alte Gesang mein Herz, wie viel konnte ich hineinlegen, wie getragen fühlte ich mich durch die Melodie, welche Tiefe, welche Kraft und welche Hoffnung bekam der Text »Hágios ho Théos, Hágios Ischyrós, Hágios Athánatos, eléison hemás.« – »Heiliger Gott, heiliger starker Gott, heiliger unsterblicher Gott, erbarm dich über uns.«

Und dann denke ich an »Herr, du bist mein Leben« (GL. 456), das ich im Sommer vor dem Mauerfall auf einem Jugendtreffen in Ungarn zum 1. Mal gesungen habe.Heiliger Herre Gott

Allein schon diese beiden Lieder zeigen, wie breit das Spektrum der Lieder im neuen Gotteslob ist. Ein Schatz an Gesängen, der von uns entdeckt und gesungen werden will, auf den wir uns freuen können. Lieder, die uns vielleicht auf die unterschiedlichste Art und Weise berühren werden, die aber alle eins gemeinsam haben: den Adressaten, dem wir alles anvertrauen können, unseren Dank, unsere Ängste, unsere Zerbrechlichkeit und unser Lob – das Gotteslob – Hagios ho Théos, eléison hemás.

Quelle:

Hasenleder, Maria: Mein Lieblingslied, in: Tag des Herrn, Nr. 17 vom 27. April 2014, S. 16.