»Pilger sind wir Menschen«

Das Lieblingslied von Thomas Seyda, Diözesankirchenmusikdirektor im Bistum Görlitz

Pilger sind wir Menschen (Neues Gotteslob Nr. 820): Die Melodien einer ganzen Reihe von Liedern, die im Gottesdienst gesungen werden, gehen ursprünglich auf weltliche Lieder zurück und fanden erst durch Unterlegung mit einem geistlichen Text Eingang in die Liturgie. Eines der bekanntesten Beispiele ist »O Haupt voll Blut und Wunden«, das auf dem Lied »Mein Gmüt ist mir verwirret, das macht ein Jungfrau zart« basiert. Auch das hier vorliegende Lied »Pilger sind wir Menschen« ist das Ergebnis dieses als Kontrafaktur bezeichneten Verfahrens.

Thomas Seyda
Thomas Seyda
Die Melodie zu diesem Lied stammt von Edward Elgar und ist dem Marsch Nr. 1 aus »Pomp and Circumstance«, op. 39 entnommen; zusammen mit dem von Arthur Christopher Benson unterlegten Text »Land of hope and glory« erfreut sie sich größter Beliebtheit und wurde zur inoffiziellen britischen Nationalhymne.

Auch wenn die Melodie ursprünglich nicht als Lied gedacht war, so steht sie doch ganz in der Tradition englischer Hymnen und Lieder, die sich durch ihre Eingängigkeit und Singbarkeit auszeichnen und somit zum Mitsingen einladen. Der im »Gotteslob« unterlegte Text von Diethard Zils drückt die Erfahrung vieler Gläubigen – als Pilgernde und Suchende auf ihrem Weg zu Gott – aus, gleichzeitig aber auch die (noch) »unerfüllte Sehnsucht« nach Frieden in der Welt (Strophen 2 und 3).Pilger sind wir Menschen

Dieses Lied stellt, wie viele andere neu hinzugekommene Lieder im »Gotteslob«, auf jeden Fall eine Bereicherung des in unseren Gemeinden verwendeten Liedguts dar, sowohl durch die eingängige Melodie als auch durch den zum Nachdenken anregenden Text.

Quelle:

Seyda, Thomas: Mein Lieblingslied, in: Tag des Herrn, Nr. 19 vom 11. Mai 2014, S. 16.